OAMV in den Medien
Auf dieser Seite finden Sie unsere Pressemitteilungen oder Auszüge aus Medienmitteilungen über die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern.
Jäger: Keine Vorbehalte gegenüber "bleifrei"
Von unserem Mitarbeiter Karl-Heinz Engel Die Verwendung bleihaltiger Jagdmunition ist in die Kritik geraten. Ihr wird mittelbar der Tod von Seeadlern angelastet. Die Jäger sollen deshalb bleifreie Patronen verwenden, fordern Umweltverbände. Neubrandenburg. Der Ausschuss für Bau und Umwelt des Kreistages Seenplatte wird sich morgen in Waren mit dem kontrovers diskutierten Thema bleifreie Munition befassen. Der Altkreistag Mecklenburg-Strelitz hatte dazu bereits im August vergangenen Jahres befunden, dass einer landesweiten Einführung dieser umweltfreundlichen Munition nichts mehr im Weg stehe. Experten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hatten zuvor festgestellt, dass es im Abprallverhalten wie in Bezug auf die tierschutzgerechte Tötung keine signifikanten Unterschiede zu bleifreier Munition gebe. Damit war ein Argument der Befürworter von konventioneller Munition ausgeräumt. Der Nachteil bleihaltiger projektile: Sie hinterlassen im Wildkörper Splitter und Abriebpartikel. Der so genannte Aufbruch wird indes gern von Füchsen, Kolkraben und Greifvögeln gefressen. Und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Seeadler reichern das Schwermetall Blei in ihrem Körper an, was schließlich zu Siechtum und Tod führt. Das hat vor einigen Jahren das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin herausgefunden. Nach Angaben von Volker Spicher vom Müritz Nationalpark sind mehr als die Hälfte der im Schutzgebiet seit 1998 gefundenen Adler an Bleivergiftung verendet. Umweltverbände fordern seit längerem die Ächtung der Geschosse. Die wiegen 10 bis 11 Gramm. Gut 50 Prozent davon bestehen aus Weichblei. Bei einer jährlichen Schalenwildstrecke bis 20 000 Stück in Mecklenburg-Strelitz gelangen bis 100 Kilogramm des Schwermetalls in die Umwelt. Die Hersteller haben bleifreie Munition, meist auf Kupferbasis, entwickelt. Ein Verbot der herkömmlichen Geschosse, was Ländersache wäre, ist nicht erfolgt. Ein Grund: Es stehen noch Gutachten aus. In der Vergangenheit gab es einiges Hin und Her um die Weiterverwendung konventioneller Patronen. In der Jägerschaft ist man die "Eierei" leid. Zwar sehen manche Grünröcke die Seeadlerbefunde skeptisch, denn es lasse sich mittels der extrem feinen Labortests alles nachweisen. Dennoch hegt kaum jemand Vorbehalte gegenüber bleifreien Geschossen. Der Neubrandenburger Kreisjägermeister Fredi Maasch hat sie seit einem Jahr in Gebrauch. "Ich kann nichts Nachteiliges feststellen", erklärt er. Die Waffen müssten lediglich neu eingeschossen werden. Hubertus Hübner aus Flatow kann auf über 15-jährige bleifreie Erfahrung verweisen. "Es gibt keinen Unterschied zur herkömmlichen Munition", sagt er. Er sei davon überzeugt, dass sich bleifrei von allein durchsetzt.

Quelle: Nordkurier, 11.01.2012
Thema "Bleifreiheit" zündet nicht richtig
Von unserem Redaktionsmitglied Silke Voß Der Umweltausschuss des neuen Großkreises übt sich in Zurückhaltung bei bleifreier Munition. Ein Abfallkonzept wird erst für 2015 erwartet. Waren. Der Bau- und Umweltausschuss hatte am Donnerstagabend über zwei Themen-Schwerpunkte zu befinden: Zum einen ging es um ein mögliches Verbot bleihaltiger Munition bei der Jagd, zum anderen um die künftige Abfallwirtschaft des Kreises. In ersterem Punkt verhielt sich das Gremium äußerst vorsichtig: Wie vor allem die Bürgermeister von Röbel und Malchin, Heiner Müller und Jörg Lange, vorschlugen, solle man sich doch erst Fachkompetenz einladen, bevor man sich als Laien anmaße zu entscheiden, welche Munition die Jäger zu verwenden hätten. Müller bat zudem, erst das Ergebnis eines Gutachtens abzuwarten, das das Backhaus-Ministerium dazu in Auftrag gegeben habe. Ausschuss-Chefin Kathrin Grumbach war die Enttäuschung anzumerken, dass es das Gremium nicht vermochte, zumindest eine Stellungnahme abzugeben - als Signal ans Land. "Gutachten sind zum Thema schon viele für und wider abgegeben worden. Es handelt sich in erster Linie um einen Interessenkonflikt, also eine klare politische Entscheidung." Der Kreistag Mecklenburg-Strelitz hatte noch eine Beschlussvorlage für die Fachausschüsse des neuen Kreises erarbeitet, derzufolge bleifreie Munition eingeführt werden soll. Nach einer Untersuchung, dass auch bleifreie Geschosse tierschutzgerecht töten, steht einer landesweiten Einführung eigentlich nichts mehr im Wege. Bleigeschosse im Aas hingegen töten Greifvögel wie den geschützten Seeadler qualvoll. Desweiteren gab es im Ausschuss Informationen zur künftigen Abfallwirtschaft im Großkreis. Bis 2015 soll ein Konzept fertig sein, erste Ergebnisse bereits im Sommer vorliegen. Die "Abfall-Landschaft" in den Regionen gestaltet sich nämlich noch höchst "facettenreich" - sowohl bei Abholmodalitäten als auch Fassungsvermögen und Art der Tonnen. Ob eine Vereinheitlichung in jedem Fall aber Sinn hätte, müsse noch diskutiert werden. So stehen in Neubrandenburg Biotonnen - ein Novum. Diese auf dem Land, wo sowieso meist kompostiert werde, einzuführen, sei nicht "sinnfällig".

Quelle: Nordkurier, Neubrandenburg Zeitung, 14.01.2012
"Bleifreie" Jagd ab 1. April Pflicht im Nationalpark
Von unserem Mitarbeiter Karl-Heinz Engel und unserem Redaktionsmitglied Thomas Beigang

Die Verwendung bleihaltiger Jagdmunition ist in die Kritik geraten. Ihr wird mittelbar der Tod von Seeadlern angelastet. Die Jäger sollen deshalb bleifreie Patronen verwenden, fordern Umweltverbände. Waren/Malchin. Auf die ballistischen Eigenschaften lassen die Jäger nichts kommen. Bleihaltige Munition bewirkt den raschen, schmerzfreien Tod der Beute. Der Nachteil aber: Sie hinterlässt im Wildkörper, vor allem auch in den Eingeweiden Splitter und Abriebpartikel. Der so genannte Aufbruch wird indes gern von Füchsen, Kolkraben und Greifvögeln gefressen. Und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Seeadler reichern das Schwermetall Blei in ihrem Körper an, was schließlich zu Siechtum und Tod führt. Das hat vor einigen Jahren das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin herausgefunden. Nach Angaben von Volker Spicher vom Müritz Nationalpark sind mehr als die Hälfte der im Schutzgebiet seit 1998 gefundenen Adler an Bleivergiftung verendet. Umweltverbände fordern seit längerem die Ächtung der Geschosse. Die wiegen etwa zehn bis elf Gramm. Gut 50 Prozent davon bestehen aus Weichblei. Bei einer jährlichen Schalenwildstrecke bis 20 000 Stück in Mecklenburg-Strelitz gelangen bis 100 Kilogramm des Schwermetalls in die Umwelt. Die Hersteller haben bleifreie Munition, meist auf Kupferbasis, entwickelt. Ein Verbot der herkömmlichen Geschosse, was Ländersache wäre, ist nicht erfolgt. Ein Grund: Es stehen noch Gutachten aus. In der Vergangenheit gab es einiges Hin und Her um die Weiterverwendung konventioneller Patronen. In der Jägerschaft ist man die "Eierei" leid. Dennoch hegt kaum jemand Vorbehalte gegenüber bleifreien Geschossen. Der Neubrandenburger Kreisjägermeister Fredi Maasch hat sie seit einem Jahr in Gebrauch. "Ich kann nichts Nachteiliges feststellen", erklärt er. Die Waffen müssten lediglich neu eingeschossen werden. Hubertus Hübner aus Flatow kann auf über 15-jährige bleifreie Erfahrung verweisen. "Es gibt keinen Unterschied zur herkömmlichen Munition", sagt er. Er sei davon überzeugt, dass sich bleifrei von allein durchsetzt. "Verbote erübrigen sich." Friedhelm Stölting, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Mecklenburg-Strelitz (rund 900 Mitglieder), hegt ebenfalls keine Vorbehalte. Wenn es neue, seriöse Erkenntnisse über die Nebenwirkungen von Bleimunition gebe, werde sich der Verband ihnen nicht verschließen. Bleifreie Patronen müssten allerdings sicher sein, rasch töten und die Waffen nicht über Gebühr verschleißen. Der Angestellte des Müritz-Nationalparks und passionierte Jäger Volker Spicher kennt das Hin und Her um bleifreie oder bleihaltige Munition am besten. Schließlich haben er und seine Kollegen schon vor geraumer Zeit in einem Praxistest bei Jagden im Nationalpark die Eigenschaften der neuen Munition getestet und für gut befunden. Doch bevor sie andere Jäger davon überzeugen konnten, hat ein Verbot des auch für die Jagd zuständigen Schweriner Agrarministers Till Backhaus (SPD) dem ein vorläufiges Ende gesetzt. "2011 wurde den Landesbediensteten die Verwendung bleifreier Munition untersagt", so Spicher. Einige Gutachten aus anderen Bundesländern hätten jenen "Mumpeln" ein gefährliches "Abprallverhalten" attestiert, welches andere Jagdbeteiligte gefährden können. "Neue Untersuchungen ergaben jedoch keine Unterschiede zu konventioneller Munition", sagt Spicher. Und so bestünde ab dem 1. April im Nationalpark die Pflicht zur Verwendung bleifreier Munition. Selbst Minister Backhaus kämpfe jetzt um eine bundesweite Ächtung der bleihaltigen Geschosse.

Quelle: Nordkurier, 16.01.2012
Hier geht es nicht nur den Störchen gut
Von unserem Redaktionsmitglied Fred Lucius

Milde Temperaturen, ausbleibender Winter: Dennoch sind die Störche nicht da. Doch auf dem Storchenpflegehof in Papendorf gibt es auch zu dieser Jahreszeit einiges zu tun. Papendorf. Das sind für "Storchenvater" Jens Krüger und die Vereinsmitglieder schöne Momente. Möglich wurden diese durch die Beringung, die der Vorsitzende des Papendorfer Storchenpflegehofes Anfang Juli 2011 in der Uecker-Randow vornahm. "Wir haben drei Rückmeldungen von beringten Störchen über die Beringungszentrale Hiddensee bekommen", berichtet Jens Krüger. Ein Wiederfund wurde 53 Tage nach der Beringung aus dem 2920 Kilometer entfernten Tirat Zervi in Nord-Israel gemeldet, ein zweiter ebenfalls aus Israel und ein dritter aus dem 714Kilometer entfernten polnischen Przemysl. "Die Störche wurden in Lauenhagen, Papendorf und Gellin beringt. Der in Polen gesichtete Storch war geschwächt und verletzt", kann Jens Krüger anhand der übermittelten Daten nachvollziehen. Der Vorsitzende des Vereins Storchenpflegehof Papendorf sitzt in den Wintermonaten aber nicht nur vor seinem Computer und wartet auf derartige Meldungen. Er und seine Mitstreiter haben ausreichend zu tun. Vorrang haben dabei der Bau von Gestellen und Nistunterlagen für Storchenhorste in der Region. Für Nester in Pasewalk, Damerow oder Torgelow sind Unterlagen schon fertiggestellt, damit sie vor der Storchen-Ankunft angebaut werden können. In Pasewalk erhält Jens Krüger beim Aufbau seit Jahren bewährte Unterstützung von den Kameraden der Feuerwehr. Gebaut werden zudem Nistkästen für verschiedene Vogelarten wie Eulen, Wiedehopfe oder Turmfalken. "Die bringen wir zum Beispiel auf Truppenübungsplätzen der Bundeswehr an. Dort haben viele Vögel ihren Lebensraum", erklärt Jens Krüger, der derzeit über eine Bürgerarbeitsstelle gefördert wird. Neue Möglichkeiten ergeben sich für den Papendorfer Verein aus dem Kauf von rund 4000 Quadratmeter Land von der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) sowie der langfristigen Pachtung einer weiteren Fläche von einer Privatperson. Riesige Steinhaufen mit großen Findlingen sind auf einem Teil der Flächen zu finden. Die Steine wurden beim Bau der Opal-Gasleitung mit Unterstützung der am Bau beteiligten Firmen geborgen, nach Papendorf gebracht und dort gereinigt. "Sie dienen als Lebensraum für verschiedene Tiere wie Eidechsen, für Wildtiere oder Vögel wie den Steinschmätzer", verdeutlicht Krüger. Entstehen solle zudem eine Totholzhecke, angepflanzt zur Begrünung des Areals werden Hecken, Sträucher und Bäume. Auf knapp 130Pflegetiere kommt Jens Krüger, wenn er die Zahlen für 2011 summiert. Neben elf Störchen waren dies Igel, Schildkröten, ein Seeadler und auch Katzen. "Einige Katzenhalter setzen diese bewusst bei uns aus, weil sie wissen, wir haben uns einmal um eine größere Anzahl gekümmert. Doch das ist nicht unsere eigentliche Aufgabe", betont Jens Krüger und verweist auch auf die für den Verein anfallenden Kosten. Froh sei man daher über Förderer und Sponsoren, die den Verein unterstützen. Der Vorsitzende nennt in diesem Zusammenhang vor allem die Sparkasse, die Baufirma Nagel, die Stadtwerke und die Stadt Pasewalk, die Beschäftigungsgesellschaft OAS, die Kreisverwaltung, den Verein Tierhilfe Strasburg, Privatpersonen und Stiftungen.

Quelle: Nordkurier, Haff-Zeitung, 18.01.2012
Vögel verstecken sich an den Schilfrändern
Insel Usedom (AK/olm). Blauer Himmel, klare Sicht und endlich einmal keine zugefrorenen Gewässer - eigentlich ideale Bedingungen für die diesjährige internationale Mittwinterzählung der Wasservögel. Wäre da nicht der Wind gewesen, der den 20 Ornithologen der Usedomer Regionalgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) vor allem am Sonnabend gehörig zu schaffen machte. Angesichts der heftigen Böen aus Nordwest fiel es den Zählern schon schwer, die Ferngläser und Spektive ruhig zu halten und weit entfernte Vögel bei bis zu 60-facher Vergrößerung überhaupt sicher anzuvisieren und zu bestimmen. "Vor allem die Kollegen an der Ostseeküste hatten es wegen der bewegten See schwer, die Vögel zwischen den Wellen zu finden", schildert Bernd Schirmeister, der die Aktion seit den 70-er Jahren koordiniert. Für zusätz- liche Probleme sorgte das Hochwasser. Während es auf der Insel in allen Zählgebieten höher gelegene Punkte gibt, bildete das Wasser in den Poldern auf der Festlandsseite manchmal ein unüberwind- liches Hindernis. Die meisten gefiederten Gäste hatten die Außenküste komplett geräumt und sich ins geschützte Achterland zurückgezogen. "An der Ostseeküste können wir unser nahezu schwächstes Ergebnis erwarten. Lediglich größere Möwenansammlungen wurden beobachtet", so Schirmeister. Allein von den Silbermöwen wurden hier mehr als 1000 gezählt. Die offenen Wasserflächen waren auch am Haff, Achterwasser und Peenestrom weitgehend leer, während sich die Vögel dicht an den Schilfrändern und geschützten Buchten aufhielten. So standen am Nepperminer See unterhalb der Schwedenschanze rund 50 Graureiher auf engstem Raum, während auf den benachbarten Wiesen Hunderte Grau- und Blässgänse saßen. Von Zwerg- und Gänsesägern oder Enten waren allerdings nur kleinere Trupps zu sehen, die sich über größere Flächen verteilten. In der Endabrechnung könnte bei den Sägern aber wieder der normale Winterbestand erreicht werden. Bei anderen Arten ist dies jedoch eindeutig nicht der Fall. Das hängt laut Schirmeister nicht nur mit dem Wetter zusammen. "Die Tiere haben aus den vergangenen beiden strengen Wintern gelernt und tendieren jetzt wieder dazu, früher wegzuziehen", so seine Beobachtung. Wer möglichst lange im Norden abwartete, ist dagegen wahrscheinlich noch gar nicht auf Usedom angekommen, weil es auch in Skandinavien noch sehr mild ist. Dies zeige sich zum Beispiel bei den Singschwänen. Auch Tauchenten, wie Reiher- oder Tafelente, machten sich rar. Die sonst üblichen großen Ansammlungen von Stockenten rund um den Wolgaster Hafen fehlten ebenfalls. "Wir haben das Artenspektrum wie in einem Mildwinter, aber mit geringeren Zahlen", erläutert Schirmeister. So wurden erstmals auch wieder Kiebitze, Goldregenpfeiffer und Kra- niche gesichtet. Wie hoch die Gesamtsumme ist, die Bernd Schirmeister diesmal an den Landeskoordinator in Rostock meldet, wird allerdings auch für ihn selbst eine Überraschung. In den besten Jahren rasteten mehr als 50 000 Vögel rund um die Insel. Zu den Besonderheiten am Wochenende gehörten zwölf Kanadagänse bei Neppermin, 200 Weißwangengänse bei Hohendorf, 48 Silberreiher an der Zecheriner Brücke sowie eine Bartmeise und sechs Rohrammern. Aufgefallen ist den Ornithologen zudem, dass in diesem Winter nur sehr wenige Greifvögel zu beobachten sind. "Im feuchten Sommer sind viele Mäuse ertrunken, so dass ihnen nun die Nahrung fehlt", schätzt Schirmeister ein.

Quelle: Anzeigenkurier, 19.01.2012
Dem Landwirt graut's vor Gans und Laus
Von unserem Redaktionsmitglied Carsten Schönebeck

Der milde Winter treibt vielen Landwirten in Vorpommern die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Zugvögel machen es sich auf ihren Feldern gemütlich und richten massive Schäden an. Und das ist nur eines der Probleme, die das Wetter mit sich bringt. Vorpommern. Kein Schnee, kaum Frost - so lässt es sich als Wildgans auch in Vorpommern überwintern. Und genau das tun die Zugvögel zum Unmut der Bauern momentan. Je näher man an die Küste kommt, desto besser kann man es beobachten. "Auf den Feldern stehen Hunderte Graugänse", weiß Nikolai Rogos vom Bauernverband Ostvorpommern zu berichten. Und weil die natürlich nicht hungern wollen, ernähren die Tiere sich von den zarten Getreidepflänzchen, die jetzt aus dem Boden schießen. Besonders kritisch ist das für alle, die noch spät geerntet haben. "Wer zum Beispiel Zuckerrüben anbaut, der kann seinen Winterweizen erst Ende Oktober aussäen", erklärt Rogos. Auf diesen Feldern treibt das Getreide jetzt aus und bringt die ersten Blättchen ans Licht. Werden die abgefressen, hat das Korn meist keine Kraft für einen zweiten Anlauf. Wer sein Korn früher ausgebracht hat, könnte mehr Glück haben, weil die Pflanzen kräftiger sind. Bei ihrem Picknick im Grünen lassen sich die Gänse nicht aus der Ruhe bringen. "Die sind ziemlich dickköpfig. Selbst wenn man sie aufscheucht, setzen sie sich eben 50 Meter weiter", so der Landwirt. Der Schaden ist nur schwer zu beziffern. Natürlich sei das Berufsrisiko, sagt Rogos. Aber für den einzelnen Betrieb könne der verlängerte Küstenurlaub der Gänse zum echten Problem werden. Denn wenn zu viele Pflanzen beschädigt sind, müssen die Landwirte neu aussäen, wenn die Vögel erst einmal weitergezogen sind. Das kostet nicht nur Geld für Arbeit, Saatgut und Pflanzenschutz. Auch die Erträge fallen beim Sommerweizen 40 bis 50 Prozent geringer aus. Staatliche Hilfen gibt es für solche Schäden nicht. "Wir stehen mit unseren Problemen allein da", berichtet Rogos. Im Altkreis Uecker-Randow sieht man die Lage etwas entspannter. "Die Zugvögel halten sich größtenteils weiter nördlich auf", sagt Harald Nitschke, der Vorsitzende des dortigen Bauernverbandes. Im Inland sähe man nur vereinzelt Kraniche auf den Feldern. Doch auch er sieht mit Sorge auf das Barometer: "Das Getreide ist nicht abgehärtet, weil wir bisher kaum Frost hatten." Käme doch noch ein richtiger Winter drohen Ernteverluste. "Ohne eine Schneedecke geht das Getreide ab Minus 13Grad ein", so Nitschke. Doch die Wetterlage ist noch viel komplizierter für die Landwirte der Region. Denn viele Getreidesorten brauchen eine Frostperiode damit sie überhaupt blühen. Normalerweise verhindert dieser sogenannte Vernalisationseffekt, dass Pflanzen zu früh austreiben und dann den Winter nicht überleben können. Doch dieses Jahr könnte der Schutzmechanismus dazu führen, dass die Pflanzen in einem frühen Wachstumsstadium verharren, befürchtet Nikolai Rogos. Entwarnung kommt allerdings vom Getreidehersteller Deutsche Saatveredlung. "Ein paar Tage mit Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt sollten völlig ausreichen, damit das Getreide auch Früchte trägt", sagt Karl-Heinz Henschel vom Regionalbüro Böhlendorf. Solche Tage hätte es im Dezember schon gegeben und seien für den Januar prognostiziert. "Kein Grund zur Sorge!", sagt Henschel. Ist der Winter überstanden, drohen den Landwirten aber schon neue Gefahren. Denn Krankheitserreger, Pilze und Schädlinge können bei den milden Temperaturen gut überwintern. Wie schlimm es kommen wird, darüber ist man sich noch nicht einig. Nikolai Rogos rechnet mit einem starken Krankheitsbefall der Pflanzen im Frühjahr. Karl-Heinz Henschel hofft dagegen, dass sich das Wetter positiv auf die Ernte auswirkt. "Pilze und Bakterien werden auch den Insekten zu schaffen machen", prognostiziert er. Und die Übergriffe auf die Pflanzen könne man mit entsprechenden Chemikalien verhindern. Nur: Das kostet zusätzliches Geld. Der Theorie von Henschel widersprechen zudem die Biologen. Experten der Universität Kiel erklärten gestern auf Nachfrage, dass ein kalter Winter der Schädlingspopulation deutlich mehr Schaden zufüge. Wird es nicht kälter sei mit einer Blattlausplage zu rechnen.

Quelle: Usedom-Kurier, 05.01.2012
Gänse bekommen gefiederte Gesellschaft
Feldberg/Göhren. Die Vogelwelt in der Mecklenburgischen Seenplatte zeichnet sich in diesem Winter durch auffällig große Artenvielfalt aus. Nachdem bereits tausende Wildgänse im Bereich der Müritz gesichtet wurden (der Nordkurier berichtete), sind jetzt auch Kraniche aufgetaucht. Dieter Seidel aus Göhren bei Woldegk meldete ein Kranichpaar, das er auf einem Feld in der Nähe seines Heimatortes gesehen hat. Auch Peter Wernicke, Leiter des Naturparks Feldberger Seenlandschaft, sind in den vergangenen Tagen Kraniche begegnet - bei Gnevitz und Thurow zum Beispiel. Den Biologen wundert es nicht, dass die Zugvögel die Region in diesem Jahr nicht verlassen. Das liege an den milden Temperaturen und sei auch schon in den vergangenen Jahren immer wieder zu beobachten gewesen. Bei Kranichen und Gänsen handele es sich um sogenannte "Teilzieher" also Zugvögel, die nicht wie einer inneren Uhr folgend zu einem bestimmten Datum in Richtung Süden aufbrechen, sondern um solche, die sich bei ihren Reisen nach dem Wetter richten. So richtig weit in die Ferne ziehe es Kraniche und Gänse schon länger nicht mehr. "Durch die Erwärmung der vergangenen Winter fliegen sie nicht mehr bis Spanien, Frankreich oder Nordafrika", erklärt Peter Wernicke. Stattdessen überwintern viele an Elbe oder Rhein. Ob die Tiere die Region in diesem Winter gar nicht mehr verlassen, sei ebenso schwer vorher zu sagen wie das Wetter. Einen leichten Temperatursturz könnten die Vögel gut überdauern. Kommt doch noch ein langer Wintereinbruch mit starkem Dauerfrost und viel Schnee, sei davon auszugehen, dass Kraniche und Gänse wieder ein paar hundert Kilometer weiter weg fliegen.

Quelle: Nordkurier, 05.01.2012
Zwei Robinsons und ihre Vögel
Greifswalder Oie. Leben auf einer einsamen Insel, die jede Menge Natur bietet, aber nur alle paar Wochen von einem Versorgungsschiff angelaufen wird - diesen Traum träumen viele. Für Mathias Mähler ist er zumindest im Winter Alltag. Denn der gebürtige Thüringer ist Leiter der Biologischen Station "Walter Banzhaf" auf der Greifswalder Oie. Das Naturschutzgebiet vor der Nordspitze Usedoms, oft auch als Helgoland der Ostsee bezeichnet, wird seit 1993 vom Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und Natur betreut und ist seitdem jeden Tag des Jahres besetzt. 2011 glänzte die kleine Insel laut Deutschem Wetterdienst sogar mit 2000 Sonnenstunden, die Höchstzahl in Mecklenburg-Vorpommern. Während die Naturschützer von März bis November mit dem Beringen der Zugvögel und der Betreuung der per Fahrgastschiff anreisenden Tagesgäste alle Hände voll zu tun haben, wird es im Winter still auf der Insel. Bis Mitte Februar werden Mathias Mähler und Saskia Schirmer, die hier ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolviert, allein im Inselhof sein. Doch im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren, als die Station manchmal länger als einen Monat von der Außenwelt abgeschnitten war, geht es diesen Winter ganz entspannt zu. "Angesichts der Temperaturen kann man ja kaum von Winter reden", macht Mähler deutlich. Gänse spielen hier die Hauptrolle Die Vorräte wurden natürlich trotzdem rechtzeitig aufgefüllt. "Die reichen für zwei Personen bis zum Mai", sieht sich der Stationsleiter für jeden noch möglichen Kälteeinbruch gewappnet. Dank der neuen Schwerkraftheizung ist es zudem kuschelig warm in den Räumen. "Im November haben wir auch unsere Wasserversorgung durch Vorratsbehälter auf dem Dach ergänzt, so dass wir nun auch ohne elektrischen Strom fließendes Wasser haben", sagt er. Bislang musste das Wasser immer mühsam gepumpt werden, wenn die Solaranlage nicht genug Strom lieferte. Die Hauptrolle bei der täglichen Arbeit spielen selbstverständlich auch im Winterhalbjahr die gefiederten Gäste, die sich auf und rund um das kleine Eiland aufhalten. "Wann immer es möglich ist, sind wir draußen, um die Vögel zu beobachten, denn es gibt den ganzen Winter über kleinere Zugbewegungen", erläutert Mähler. Allerdings macht sich das ungewöhnlich milde Wetter auch in der Vogelwelt bemerkbar. "Normalerweise haben wir vor der Oie zu dieser Zeit Zehntausende Enten, in diesem Jahr sind nur sehr wenige Wasservögel da", schildert er. Schon vorher hatten die Wetterkapriolen das Zuggeschehen rund um die Insel durcheinander gebracht. "Es war der schlechteste Herbst, den wir je hatten", sagt Mähler. Statt der sonst üblichen bis zu 13000 Zugvögel konnten die Ornithologen gerade einmal 8000 beringen. Bei den Rotkehlchen, der häufigsten Art, lag der Altvogelanteil zudem doppelt so hoch wie in normalen Jahren. Das deutet laut Mähler auf eine schlechte Brutsaison im verregneten Sommer hin. Noch sind die im vergangenen Jahr gesammelten Daten allerdings nicht detailliert ausgewertet. Auch das ist ein typischer Winter-Job auf der Oie. Neben dem Fernglas wird daher in den nächsten Wochen der Computer das zweitwichtigste Arbeitsmittel des Stationsleiters sein. Außerdem dreht er gemeinsam mit Saskia Schirmer einmal wöchentlich eine Runde um die Insel, um allen angeschwemmten Müll einzusammeln. "Wir beteiligen uns am Monitoringprojekt einer Rostocker Diplomandin, die die Verschmutzung der Ostsee untersucht", erläutert er. Von entspannter Winterruhe kann auf der einsamen und kleinen Insel also kaum die Rede sein.Ola MinkenbergAnders als die Romanfigur sind Saskia Schirmer und Mathias Mähler freiwillige Robinsons. Auf der Greifswalder Oie, einer einsamen Insel bei Usedom, dreht sich ihr Leben noch bis Mitte Februar um Vögel aller Art.

Quelle: Usedom-Kurier, 08.01.2012
Invasion von tausenden Wildgänsen
Von unserem Redaktionsmitglied Elke Enders

Was die Tiere fressen, lässt sich noch verschmerzen. Aber der Boden ist matschig und zertreten - die Ernteausfälle sind damit programmiert. Müritzkreis. Den Landwirten treibt es die Sorgenfalten ins Gesicht: Tausende von Wildgänsen sind gegenwärtig wieder auf den Äckern zu beobachten. Dabei sind es gar nicht mal die Fraßschäden, die die schnatternden Vertreter auf ihrer Rast anrichten. Der ausbleibende Frost und der fehlende Schneefall lässt sie länger als gewöhnlich hierzulande verweilen, und die Flächen sind durch Regen und milde Witterung derart aufgeweicht, dass es in der Matsche zu gravierenden Schäden allein durch das Herumstehen, beziehungsweise in diesem Fall das Herumwatscheln, kommt, wie auch Thomas Diener, Vorsitzender des regionalen Bauernverbandes Müritz, befürchtet. "Die Trittschäden sind wirklich nicht in Abrede zu stellen", sagt dazu der Röbeler Ornithologe Rainer Schwarz, der die Tiere beobachtet und die Bestände zählt und dokumentiert. Dabei sei die Anzahl der auftretenden Wildgänse für die Jahreszeit unter Beachtung der Witterung "keine Überraschung, und es handelt sich auch nicht um eine Bestandsexplosion, wie man annehmen könnte", wie Rainer Schwarz versichert. Auch in den Jahren zuvor traten die Wildgänse, und hier vor allem Saat- und Blessgänse, gehäuft auf. 1000 oder 2000 Tiere bis hin zu 6000 bis 7000, die sich in der Fläche verteilen, seien "ganz normal". Bei Melz, Kieve, Dambeck oder im Ludorfer Raum, überall gebe es derzeit große Vorkommen. Wenn die Flächen gut bestockt sind, sprich das Wintergetreide mehrere stabile Halme ausgebildet hat, hielten sich die Fraßschäden in Grenzen. Bei spät gedrillter Saat allerdings käme es zu teils massiven Ausfällen. Hier vertritt Rainer Schwarz die Meinung, dass Landwirte, die nachweislich Schäden haben, damit seitens der Politik nicht allein gelassen werden dürften und das Ringen um Entschädigungen Gehör finden sollte - was aber zunehmend schwieriger werde. Er rät allerdings davon ab, die Vögel in Eigeninitiative aufzuscheuchen, um sie von den Flächen zu vertreiben. "Der Grundsatz ist der: Je weniger die Gänse aufgejagt werden, um so weniger Energie verbrauchen sie, um so weniger fressen sie, um so geringer sind die Schäden", verdeutlicht Rainer Schwarz. Die Wildgänse machen auf ihrem Zug aus den Brutgebieten Rast in der Region. Sie kommen aus dem Nordischen Raum, aus der Arktischen Tundra. Ein Teil der Gänse zieht schnell weiter in Richtung Niederrhein, Holland, ein Teil verweilt im Müritzgebiet.

Quelle: Nordkurier, Neubrandenburger Zeitung, 09.01.2012
Inventur bei unseren Wasservögeln
Vorpommern. Die Gruppe um Wasservogelexperte Uwe Simmrow startet die bundesweit durchgeführte Mitwintervolkszählung von Enten, Sägern, Möwen und Co. am Anklamer Schanzenberg. Bereits seit sechs Jahren leitet der versierte Ornithologe die Bestandserfassung im Naturpark Flusslandschaft Peenetal vom Gneveziner Pumpengraben entlang der Peene über den Arodokanal bis hin zum Wasserwanderrastplatz. Uwe Simmrow, der NABU-Spezialist für Wasservögel, informiert die mitwandernden Gäste, dass diese Aktion eine international stattfindende Bestandserfassung von durchziehenden und rastenden Vogelarten nicht nur auf deutschen Gewässern, sondern auch in den Ostseeanrainerstaaten, den Niederlanden und Großbritannien ist und zeitgleich durchgeführt wird. Die zentrale Steuerung in der Bundesrepublik Deutschland erfolgt durch die Arbeitsgemeinschaft "Wasservogelmonitoring" im Dachverband Deutscher Avifaunisten, während die Zählungen in Mecklenburg-Vorpommern seit dem Jahr 2000 durch den Förderverein für Wasservogelökologie und Feuchtgebietsschutz organisiert werden. Ziel der periodischen Zählungen auf internationaler Ebene sind regelmäßige Erfassungen zur Überwachung der Bestände und Bestandtrends aller Wasservogelarten und deren Populationen. Für die Winterbestandserfassung der Peenevögel haben sich die Ornithologen gut ausgerüstet. Starke Ferngläser und ein 80fach vergrößerndes Spektiv sichern die zweifelsfreie Bestimmung der unterschiedlichen Vogelarten. Beste Voraussetzungen also, denn selbst Klärchen schaute von oben zu und aus dem Moor erklingt ein lautes "gru - gruh" der Liebesruf des Kranichs. Am ersten Zählpunkt wurden sechs Graureiher und 14 Gänse- säger beobachtet. Aus der Ferne wirken die Säger wie Pinguine. Ein toller Anblick der Pommernpinguine. Die schwarz-weißen Meister-taucher mit ihren braungrauen Weibchen konnten ausgezeichnet beim Fischfang beobachtet werden. Geschickt halten sie die silbern glitzernde Beute im sägeartigen, mit einem Enterhaken versehenen Schnabel fest. Insgesamt kamen 45 Exemplare zum Anblick. Damit stehen sie auf der Zählliste auf Rang zwei, denn den Schnabel ganz vorn haben 233 Graugänse. Ein hoher Bestand, freut sich Simmrow, denn vor 50 Jahren zogen die Breitschnäbel noch bis Spanien. Dieses Bild hat sich durch die Klimaerwärmung vollkommen verändert, denn zurzeit sind es im Peenetal zwischen Anklam bis hin zu den Haffbruchwiesen weit über 1000 Exemplare, die Mario Kebschull und Norbert Warmbier am Vortag erfassten. Erschreckend wenige Möwen wurden gesichtet. So zwei gänsegroße Mantelmöwen, Europas gewaltigste Art und nur drei Lachmöwen, Vorpommern-Greifswalds häufigste Brutvogel-möwe. Kormorane, verschrien bei Fischern und Anglern als Meeres- raben und Unterwasserterroristen, kamen mit nur 25 durchziehenden Exemplaren zur Beobachtung. Selbst Europas häufigste Entenart, die Stockente, war mit 33 Tieren recht selten. Dafür hat aber der Silberreiher mächtig im Bestand zugelegt, denn von diesem Edelreiher wurden 27 Tiere entdeckt. Erfreut waren die Zähler über einen wahren Edelstein heimischer Wasservögel, denn flach über einen Vorflutgraben schoss mit rasanter Geschwindigkeit ein überaus farbenprächtiger, sperlingsgroßer Eisvogel dahin. Durch die drei vergangenen überaus harten Winter, wurde dieser Exot an den Rand des Aussterbens in unserer Region gebracht. Zu den Vorjahren ein mächtiger Bestandsrückgang auch beim Höckerschwan, da nur vier der gewaltigsten pommerschen Wasservögel zu sehen waren. An diesem Ergebnis ist sicher die milde Witterung Schuld. Darum eine Klimageschichte, aber kein dramatischer Rückgang für den Experten Simmrow. Unter Verwendung auch der Anklamer Zähldaten werden in regelmäßigen Abständen internationale Bestandsschätzungen herausgegeben. Darüber hinaus dienen die Bestandserfassungen zur Ermittlung international bedeutender Wasservogelrastgebiete, die der Fachmann als Important Bird Areas benennt. Auch die Anklamer Ergebnisse der Wasservogelzählungen bilden zudem eine wichtige Grundlage bei der Ausweisung von Schutzgebieten in Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie. Der Fachmann erklärte den Teilnehmern auch, dass diese regelmäßigen und standardisiert erhobenen Wasservogelzähldaten als geeignetes Instrument zur Überwachung der Rastbestände von Wasservögeln in internationalen Schutzgebieten - wie das Peenetalmoor - dienen. Im Rahmen von Berichtspflichten Deutschlands, so für EU-Vogelschutzgebiete, sind solche Arbeiten äußerst wertvoll.


Quelle: Nordkurier, Haff-Zeitung, 18.01.2012
Keine Angst vor großen Tieren
Neubrandenburg. Einen nicht alltäglichen Einsatz erlebten die Kameraden der Berufsfeuerwehr an diesem Wochenende. Ein Neubrandenburger hatte gegen 10.30 Uhr am Sonnabend an der Kreuzung Ihlenfelder Straße/Johannesstraße eine Großtrappe entdeckt und die Einsatzkräfte informiert, teilte die Feuerwehr mit. Mit bis zu 20Kilogramm Gewicht zählen die in Deutschland fast ausgestorbenen Tiere zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt. Die Kameraden rückten aus und schnappten sich den in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahrzehnten nicht mehr entdeckten gefiederten Freund. Der Vogel wurde durch einen Experten untersucht, der dabei auch feststellte, dass es sich um eine Henne handelte. In Absprache mit dem Naturschutzbund sei die Großtrappe dann in den Woggersiner Wiesen wieder freigelassen worden, teilte die Feuerwehr mit.

Quelle: Nordkurier, Neubrandenbrg Zeitung, 16.01.2012
Bedrohter Adler bedroht bedrohte Trappe
Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Nieswandt

Die Buschhoferin Marianne Apitz ist gerührt begeistert: Nach mehr als 35 Jahren sieht sie zum ersten Mal wieder einen der seltensten Vögel Deutschlands. Buschhof. "Plötzlich, als ich den Trapphahn gerade beobachtete, sprang er im Rapsschlag auf beiden Beinen gleichzeitig los und stieg dann auf. Dann sah ich, warum: ein Seeadler tauchte auf, der war hinter ihm her. Aber die Trappe konnte entkommen und kam wieder her", schildert Marianne Apitz aus Buschhof ein Erlebnis mit einem vom Aussterben bedrohten Vogel. Denn die Großtrappe, die am vergangenen Sonnabend "zu Gast" an der Kreuzung Ihlenfelder Straße/Johannesstraße in Neubrandenburg war (der Nordkurier berichtete), hält sich jetzt seit diesem Tag immer wieder auf einem Rapsschlag am östlichen Dorfrand von Buschhof auf. Dort genau befindet sich der Hof von Familie Apitz. Marianne Apitz entdeckte den stattlichen Vogel am Sonnabend, war sich aber nicht ganz sicher, fragte sich: Ist das ein Kranich? Am Sonntagnachmittag war ihre Freundin bei ihr zum Kaffeetrinken. Als diese den Vogel sah, rief sie: "Was für ein Riesenfasan!" "Nein, das ist eine Trappe, schoss es mir auf einmal ein, denn ich hatte zwei Trappen schon einmal im August 1976, als wir in der Roggenmahd waren, gesehen, dann aber nie wieder. Wahnsinn, dass ich so ein Tier noch einmal in freier Wildbahn sehe", ist die Tierfreundin Marianne Apitz immer noch begeistert. Sie rief den Umweltanalytiker Dr. Jürgen Kaatz im benachbarten nordbrandenburgischen Dranse an. Der war zunächst recht skeptisch, wurde doch in Nordbrandenburg (damals Bezirk Potsdam) im Jahr 1973 das letzte Trappengelege ausgemäht, wobei die Vögel umkamen. Das war das Aus für diese Art in diesem Gebiet, erläutert er auf Nordkurier-Nachfrage. Antje Schnell vom Forstamt Mirow, die von der Trappe gehört und den Nordkurier informiert hatte, erzählte, dass die Trappe in der Geschichte in der Region eine wichtige Rolle spielte. Davon zeugt die Bezeichnung Trappenberg, die der Hügel zwischen Retzow und Vietzen trägt (auf ihm steht noch das Lehrlingswohnheim der ehemaligen Schiffswerft Rechlin). Jürgen Kaatz freute sich sehr, als er den Jungtrapphahn dann sah. Mit seinem Spektiv identifizierte er die Ringinschrift des Tieres. Birgit Block von der Staatlichen Vogelschutzwarte Buckow (Havelländisches Luch) konnte entsprechend der Ringinschrift mitteilen, dass der Trapphahn am 16. Juni 2011 in der Aufzuchtstation der Buckower Vogelschutzwarte schlüpfte und am 24. August im Havelland ausgewildert wurde. Dort wurde er am 16. Oktober zum letzten Mal beobachtet. Schließlich tauchte er am 14. Januar in Neubrandenburg auf, bevor er in die Buschhofer Gegend wechselte. Birgit Block erklärte, dass es sich - anders als in Neubrandenburg vermutet - bei dieser Trappe um einen Hahn und nicht um eine Henne handelt. "Wir freuen uns sehr, dass er sich bis jetzt gut durchschlagen konnte. Seine Fluchtdistanz beträgt 50 bis 60 Meter, bei Wildvögeln liegt sie bei 200 bis 300 Metern. Man merkt also, dass er von Menschen aufgezogen wurde", erklärt Jürgen Kaatz. Und Marianne Apitz bestätigt das: "Er kam bis auf etwa 20 Meter heran und wird scheinbar von Autos magisch angezogen, hoffentlich wird ihm das nicht einmal zum Verhängnis." Marianne Apitz schloss den seltenen Besucher gleich in ihr Herz. "Die Trappe hat so ein schönes Gesicht. Darum dachte ich, dass es sich um eine Henne handelte und gab ihr den Namen Regina. Seit ich von Herrn Doktor Kaatz weiß, dass es ein Hahn ist, nenne ich ihn Hugo", erzählt sie gerührt und ein bisschen verschmitzt.

Quelle: Nordkurier, Strelitzer Zeitung, 20.01.2012
Biogasanlagen...
Hamburger Abendblatt http://www.abendblatt.de/region/article2018612/
07.09.2011
Nabu: Biogasanlagen ökologisch katastrophal

Nabu kritisiert Biogasanlagen: Anlagen seien weder energieeffizient, noch
leisten sie einen positiven Beitrag zum Klimaschutz
Neumünster. Der Naturschutzverband Nabu bescheinigt Biogasanlagen eine miese
Öko- und Energiebilanz. Eine Untersuchung [*] habe ergeben, dass solche
Anlagen weder besonders energieeffizient arbeiten, noch einen positiven
Beitrag zum Klimaschutz leisten, teilte der Nabu-Landesverband
Schleswig-Holstein am Mittwoch mit. Zudem gefährdeten sie durch den
Maisanbau Boden, Grundwasser, Seen und Fließgewässer sowie die
Biodiversität. "Sie sind ohne Wenn und Aber umweltschädlich", heißt es.
Ausnahmen bildeten nur Anlagen, die Rest- und Abfallstoffe verwerteten sowie
Abwärme sinnvoll einsetzten. Diese gebe es in Schleswig-Holstein aber kaum.
Im Norden waren Ende 2010 etwa 420 Biogasanlagen mit einer
durchschnittlichen Leistung von 500 Kilowatt in Betrieb, im Bau oder
genehmigt.
Als sogenanntes Gärsubstrat nutzen laut Nabu ungefähr 90 Prozent der Anlagen
ganz überwiegend Mais, der im Land zur Energieproduktion auf 100 000 Hektar
angebaut werde. Das entspricht der Fläche des Kreises Plön. Häufig werde der
Mais über weite Strecken geliefert; bei den wenigsten Anlagen werde die
Abwärme sinnvoll genutzt.
"So ist der Energiegewinn nicht viel größer als der Energieverbrauch.
Windkraft- und Photovoltaikanlagen arbeiten deutlich effizienter",
analysierte der Nabu. Geradezu miserabel falle die Klimaschutzbilanz aus.
"Agrargasanlagen, für die Mais auf ehemaligen Grünlandflächen angebaut wird,
haben eine schlechtere Treibhausgasbilanz als moderne Gaskraftwerke zu
verzeichnen." Der Mais belaste das Grundwasser mit Nitrat und gefährde als
Monokultur durch Humusabbau die Bodenqualität.
Ob das so stimmt? Interessant ist es schon...
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, Sabine Wendler, 05.09.2011
Erfolg ist Kopfsache: Singvögel mit großem Gehirn haben vom Fall des
Eisernen Vorhangs profitiert

Frankfurt am Main, den 5.9.2011. In Ostdeutschland und der Tschechischen
Republik hat seit 1989 / 1990 die Anzahl von Singvögeln mit
verhältnismäßig großem Gehirn zugenommen. Das schreibt ein Autorenteam des
Biodiversität und Klima Forschungszentrums, des Dachverbands Deutscher
Avifaunisten und der Prager Karls-Universität in der Online-Ausgabe des
Fachjournals "Biological Conservation". Die Forscher hatten die
Bestandsentwicklung von Vogelarten in verschiedenen europäischen Regionen
miteinander verglichen. Dabei stellten sie fest, dass sich nach dem
wirtschaftlichen Aufschwung in ehemals kommunistischen Staaten dort
besonders Vogelarten mit besseren kognitiven Fähigkeiten vermehrt haben.
Langzeitstudie an 57 Singvogelarten
Für die Studie werteten deutsche und tschechische Wissenschaftler aus, wie
sich die Bestände von 57 Singvogelarten im Zeitraum von 1991 bis 2007
entwickelt haben. Dabei wurde u.a. auf Datenreihen des Dachverbands
Deutscher Avifaunisten zurückgegriffen, dessen ehrenamtliche Mitglieder
seit Jahrzehnten in Deutschland großflächig systematische Vogelbeobachtung
und -erfassung betreiben. Anschließend wurde berechnet, ob zwischen der
Bestandsentwicklung und dem individuellen Steckbrief der Vogelart
(Lebensraum, Ernährung, klimatische Nische, Zugstrecke zwischen dem Brut-
und Überwinterungsgebiet und Gehirngröße im Verhältnis zum Gesamtkörper)
sowie der Veränderung ihres Lebensumfeldes über die Jahre hinweg ein
statisch signifikanter Zusammenhang besteht. Um zusätzlich zu testen, ob
es sich dabei nur um regionale Effekte handelt oder um überregional
langfristig gültige Erklärungsmuster, wurden verschiedene Regionen – Nord-
und Ostdeutschland sowie die Tschechische Republik – miteinander
verglichen.
Umbruch 1989 / 1990 begünstigte Singvögel mit größerem Gehirn
Dabei stießen die Wissenschaftler auf eine interessante Tatsache:
Regionale Unterschiede in der Entwicklung einzelner Vogelarten hängen mit
deren Gehirngröße zusammen. Wie die Studie zeigt, haben in Ostdeutschland
die Bestände von Singvogelarten, deren Gehirn relativ groß ist, verglichen
mit Norddeutschland seit 1989 / 1990 leicht zugenommen. In der
Tschechischen Republik hat die Anzahl dieser Singvögel im Vergleich sogar
stark zugenommen. Der Ost-West-Unterschied legt nahe, dass dies mit dem
gesellschaftlich-wirtschaftlichen Umbruch in beiden Gebieten
zusammenhängen könnte. „Die relative Größe des Gehirns wird als Indikator
für die kognitiven Fähigkeiten eines Vogels angesehen. Der Bestandsanstieg
solcher Singvögel lässt vermuten, dass Vögel mit guten kognitiven
Fähigkeiten eher in der Lage sind, sich an schnell ändernde
Umweltbedingungen anzupassen. Sie konnten damit die Chancen, die sich nach
dem Ende des Kommunismus ergaben, besser für sich nutzen.“ erläutert Prof.
Dr. Katrin Böhning-Gaese, Biodiversität und Klima Forschungszentrum
(BiK-F), die Ergebnisse.
Bessere kognitive Fähigkeiten erlauben Eroberung neuer Lebensräume
Eine Chance, die Vögel mit besseren kognitiven Fähigkeiten für sich
anscheinend zu nutzen wussten, war die Besiedlung der Städte, die in
Ostdeutschland und der Tschechischen Republik nach dem politischen Umbruch
einsetzte. Während einerseits Natur in Form von Grünanlagen und Parks in
die Innenstädte zurückkehrte, kam es andererseits an den Stadträndern zu
massiven Eigenheimbau der neu entstehenden Mittelschicht. Vögel mit
größerem Gehirn, wie beispielsweise Elstern, Eichelhäher und Meisen,
können ihr Verhalten besser anpassen und sind dadurch eher in der Lage, in
der Nähe von Menschen zu leben. Sie konnten somit die neuen Lebensräume,
die innerstädtischen Grünflächen sowie Vorstädte, zügig besiedeln und sich
vermehren. Demgegenüber wurden Vögel wie beispielsweise die Dorngrasmücke,
die sich aufgrund eines kleineren Gehirns und damit verbundener geringerer
kognitiver Fähigkeiten nur langsam anpassen konnten, durch die Veränderung
ihres bisherigen Lebensraumes infolge der Explosion der Vorstädte
zurückgedrängt.
Überregional haben es Generalisten leichter
Die Studie nennt jedoch auch weitere Faktoren, die sich in allen drei
untersuchten Regionen ähnlich auswirkten – die Intensivierung der
Landwirtschaft und der Klimawandel. Positiv entwickelt haben sich
Vogelarten, die in punkto Nahrung flexibler sind, die klimawandelbedingte
Temperaturerhöhung tolerieren können und nur kurze Zugdistanzen
überbrücken müssen. Demgegenüber hat die Anzahl von Vertretern von
Vogelarten mit spezifischen Ansprüchen an Futter, enger klimatischer
Nische und von Langstreckenziehern abgenommen. „Die Studienergebnisse
illustrieren, dass es sowohl Faktoren gibt, die die Bestandsentwicklung in
mehreren geografischen Regionen beeinflussen als auch einzelne Faktoren –
in diesem Fall der Zeitpunkt der Besiedlung der Städte – die nur in
einzelnen Regionen wirksam werden.“ so Böhning-Gaese. Die Autoren schlagen
daher vor, in Folgestudien den regionalen Fokus auszuweiten und den
Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Veränderung und Einfluss auf die
Vogelbestände über viele Länder hinweg zu vergleichen.

Studie:
Reif, J., Böhning-Gaese, K., Flade, M., Schwarz, J., Schwager, M.
Population trends of birds across the iron curtain: Brain matters. -
Biological Conservation (2011), doi:10.1016/ j.biocon.2011.07.009

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CDU kritisert sich zu Ausgleichsmaßnahmen im Naturschutz
CDU-Landtagsfraktion: Beate Schlupp: Praxis des Ausgleichs von Eingriffen in die Natur überdenken - landwirtschaftliche Nutzfläche sichern

Die CDU-Landtagsfraktion hat eine Überprüfung der Praxis des Ausgleichs von Eingriffen in die Natur gefordert. Durch Ausgleichsmaßnahmen ginge immer mehr landwirtschaftliche Nutzfläche verloren. Dies müsse gestoppt werden, machte die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Beate Schlupp deutlich.

Wir müssen dem weiteren Verlust wertvoller landwirtschaftlicher Nutzflächen energisch entgegenwirken. Der Boden ist das wichtigste Produktionsmittel in der Landwirtschaft und nicht vermehrbar. Daher muss der Verzehr von landwirtschaftlichen Flächen deutlich begrenzt werden. Wir brauchen eine nachhaltige Bodenpolitik. Dazu gehört, dass die gegenwärtige Praxis von Ausgleichsmaßnahmen zu verändern ist“, machte Beate Schlupp deutlich.

„Sowohl die Eingriffs-/Ausgleichsregelungen im Bundesnaturschutzgesetz als auch im Landesnaturschutzgesetz müssen dringend neu geregelt werden. Auch der so genannte kohärente Ausgleich bei Vogel- und FFH-Richtlinie ist zu überprüfen. Mehr als bisher sollte die Beseitigung von Altlasten oder versiegelten Flächen bei Ausgleichsmaßnahmen in den Mittelpunkt rücken. Zudem müssen Geldzahlungen als Ausgleich voll anerkannt werden“, mahnte die CDU-Agrarexpertin.

„Wir müssen dem weiteren Verlust wertvoller landwirtschaftlicher Nutzflächen aktiver entgegenwirken. Dies gilt gerade vor dem Hintergrund der Energiewende. Wenn wegen der bislang üblichen Praxis wegen Ausgleichsflächen für neuen Stromleitungen oder den Bau von Windkraftanlagen die Fläche zum Anbau von Nahrungsmitteln weiter schrumpft, ist dies nicht zu akzeptieren. Ich könnte mir gut vorstellen, dass künftige Eingriffe automatisch an eine Ausgleichszahlung gekoppelt werden. Die so eingesammelten Gelder können dann zweckgebunden für Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege eingesetzt werden. Beides würde dazu führen die Effekte für Natur und Landschaft deutlich zu erhöhen und gleichzeitig Konflikte zu vermeiden“, so Beate Schlupp.

Quelle: www.cdu-mv.de